Die Religion sanktioniert den Mord
Predigt aus dem Monatsblatt vom November 2002
Mit dem Selbstmordanschlag auf die Twin Towers in New York hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Eine nicht-staatliche Organisation von Fanatikern demonstrierte, dass man mit wenig Geld und Material eine Großmacht tödlich treffen kann. Nach dem 11. September 2001 muss politisches Kalkül der Tatsache Rechnung tragen, dass in den nicht-säkularisierten Ländern Politik über die Rückkopplung auf Religion stattfindet. Die Rückbesinnung des Islam auf Werte, deren fundamentale Bedeutung für den mohammedanischen Alltag lange verblasst schien, begann in den siebziger Jahren und äußerte sich Anfang der neunziger erstmals in Aktionen.
Das Shiloah-Institut der Universität Tel Aviv wies schon 1971 auf eine Renaissance des Islam hin, der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Dr. Peter Frisch, warnte seit 1994 davor, dass die USA und Europa in den nächsten zehn Jahren vor allem durch den islamischen Fundamentalismus bedroht sein würden. Er zitierte Ayatollah Khomeini. der 1979 erklärt hatte, der nächste große Krieg werde sich aus dem Gegensatz zwischen Christentum und Islam entwickeln. Die Anschläge gegen die USA wurden in der arabisch sprechenden Welt mit Jubel begrüßt: angefangen von dem ersten Attentat auf die Twin Towers 1993, über die Ermordung von 19 amerikanischen Soldaten auf dem US-Stützpunkt Dhahran in Saudi-Arabien 1996, über die Autobomben gegen die US-Botschaf-ten in Kenia und Tansania mit mehreren Hundert Toten 1998, bis zum Bombenanschlag gegen die US-Fregatte „Cole" im Hafen von Aden 2001, bei dem 17 amerikanische Matrosen starben. Terrorismus ist der Ersatzkrieg, wenn man den großen Krieg nicht wagen kann.
So fragten sich nach dem Anschlag in New York einige westliche Beobachter, ob die Amerikaner diese Art von Terrorismus nicht durch ihre arrogante Politik provoziert hätten. Nicht die Täter, sondern die Opfer wären also verantwortlich. Die europäische Politik relativiert die Ursachen des Konflikts und sucht einen Dialog mit einer Glaubensgemeinschaft, die zu Kompromissen nicht fähig ist. Vollmundige Bekundungen, man stehe ohne Vorbehalte auf Seiten der Amerikaner, sind auf deutscher Seite inzwischen ersetzt worden durch angestrengte Manöver, Distanz vom Bündnispartner zu zeigen. Eine Regierung aber, die ihre Politik nach den Ergebnissen von Meinungsumfragen ausrichtet, wird abgewählt werden.
Die Imame in den Moscheen und die Lehrer in den Koranschulen haben seit 30 Jahren nicht nur die Schriften des Islam vermittelt, sondern auch den Hass auf die Welt des Westens gepredigt. Basis für dieses riesige Agitations- und Erziehungsprogramm ist der Wahhabismus, dem das saudi-arabische Herrscherhaus seit über 200 Jahren anhängt. Er ist zur maßgebenden Variante des Islam und zur Grundlage des Fundamentalismus geworden. Der heutige Islam ist bezahlt organisiert und gesteuert von Saudi-Arabien.
Die mittelalterlichen Rechtsbräuche der Scharia werden bis in die Peripherien der moslemischen Welt praktiziert: Von Nigeria bis Malaysia hackt man Dieben die rechte Hand ab, hält Frauen wie Haustiere, steinigt Ehebrecherinnen zu Tode. Die früher übliche Behinderung von Nichtgläubigen ist der Verfolgung gewichen. In Indonesien zünden Mohammedaner Kirchen an. In Pakistan werfen fundamentalistische Moslems Handgranaten auf betende Christen. Der Anspruch des Orients auf die höhere Moral, den die Gläubigen in der Religion begründet sehen, legitimiert die Gewalt. Die manichäische Weltsicht der „heiligen Terroristen" von Hamas, Hisbollah und Al Qaida führt dazu, dass der Tod Unschuldiger nicht nur in Kauf genommen, sondern als notwendig angesehen wird. Die Gewalttat gewinnt den Charakter eines sakramentalen Aktes, exekutiert als religiöse Pflicht. Die Religion sanktioniert den Mord.
Fortsetzung folgt
Obwohl ich keine politischen Themen in den Monatsblättern
anspreche, betrifft dieses Thema auch Sie! Durch Schönreden und Kompromisse
werden keine Probleme gelöst. Religionsfreiheit sollte nicht Narrenfreiheit
bedeuten. Gottes Wort wird immer erfüllt werden. Was ein Mensch sät,
das wird er ernten, ohne Ansehen der Person! Und der König wird antworten
und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter
diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
(rw)